BW2 bei den Qualifikationsmeisterschaften für die deutsche Meisterschaften in Stendal beim Altmark-Pokal

Trainingswoche

Da ich ab dem 04.08. bereits Urlaub hatte entschied ich mich Samstagnacht die Reise nach Stendal anzutreten. Ich erhoffte mir wenig Verkehr und keine LKWs. Gegen null Uhr sammelte ich meinen Rückholer und wir waren guter Dinge. Die ersten paar hundert Kilometer verliefen reibungslos. Kurz vor Stendal wurden wir dann durch unwegsame Straßen und Kopfsteinpflaster in den Ortschaften begrüßt. Als wir am Sonntag um zehn Uhr auf den Campingplatz fuhren, standen zwar bereits eine Hand voll Wohnwagen dort, es war jedoch keine Menschenseele anzutreffen.
Den Sonntag verbrachten wir mit dem Aufbauen unseres Camps. Geschafft von der Leistung der beiden Tage ohne viel Schlaf, gingen wir an diesem Abend früh ins Bett.
Bis zum Mittwoch verbrachten wir damit die Infrastruktur rund um den Flugplatz auszuloten und noch einige kleine Arbeiten zu erledigen.
Am Mittwoch war es dann so weit, wir bauten auf und ich meldete mit unser Campingnachbar, Dennis Brunßen-Gerdes, ein 500km FAI-Dreieck an. Unsere Route sah vor, erst nach Neubrandenburg zu fliegen und dann über Lübeck zurück nach Stendal. Als wir in die Tagesaufgaben der deutschen Meisterschaft der Frauen schauten fiel uns aber nicht auf, dass diese dieselbe Aufgabe flogen, nur anders herum. So mussten wir bei Schwerin aufgrund einer von Nord-Westen hereinziehenden Abschirmung unseren Flug abbrechen. Kurz vor der Elbe mussten wir immer wieder sehr schwach kurbeln und alle Wolken verschwanden langsam. Uns war klar, dass heute eine Landung auf dem Flugplatz nichtmehr möglich war. Am Ende fehlten uns 200 bzw. 400m um sicher zum Flugplatz zu kommen. Was wir an dem Tag lernten: Auch wenn du nur knappe 30km vor dem Flugplatz sitzt kann die Rückholtour in dieser Umgebung an die vier Stunden dauern.
Der Freitag wurde durch eine Trainingsaufgabe gestaltet. Klar war: Es hieß heimkommen, da am nächsten Tag der Wettbewerb los ging. Die Racingaufgabe über Dessau, Ukro und Wiesenburg flog ich mit einem 95er Schnitt. Alles funktionierte, der Wettbewerb konnte losgehen.

Der Wettbewerb

Das Wetter sah das anders und so kamen wir erst Anfang der Woche zum ersten Wertungstag. Eine Racing-Task über 317km stand auf dem Plan. Über Breitenhees, Gloewen und Burg sollte es gehen. Die Strategie war für diesen Tag eindeutig: Sich nicht gleich zu Beginn rausschießen, aber auch nicht zu viel Boden verlieren. Durch Reihungen die genau entlang des zweiten Schenkels verliefen gelangen in unserer Klasse Schnitten mit bis zu knapp 110 km/h. Mit einem 100er Schnitt platzierte ich mich auf dem neunten Platz.
Als wir am nächsten Tag zum zweiten Wertungstag starteten und sich dem Flugplatz eine Schauerwand aus Richtung erster Wende nährte, merkte man wie der Pulk trotz einer AAT sehr ratlos wurde. Wir kurbelten mehrere Kreise in -0,4m/s und versuchten bei 30km/h Wind und mehr immer wieder Abflüge. Ein Teil des Pulks löste sich und flog in das blaue Loch hinter dem Schauer los. Ich entschied mich, für den aus meiner Sicht sichereren Weg: Abwarten bis es wieder aufbaut. Als man dann am Horizont die zweite Schauerwand sah, war klar, dass es ein schwieriger Tag werden würde. Um den Flugplatz herum war die Thermik zu Ende und wir wurden immer weiter vom Flugplatz wegversetzt. Ich traf die Entscheidung zum Flugplatz zurück zu fliegen und zu landen. Da sich viele Standardklassseflugzeuge mit mir zur Landung meldeten, entschied ich mich den Wasserhahn aufzumachen und sah einen erneuten Start in dem Moment als unwahrscheinlich an. Mein Rückholer und ich bauten das Flugzeug ab und ließen die zweite Schauerwand durch ziehen. Bereits da machte sich bei mir Unbehagen breit, da ich einige Flugzeuge aus unserer Klasse vermisste und auch Flieger meiner Klasse wieder am Start standen. Nachdem der Schauer durchgezogen war, fuhr ich an den Start und checkte die Lage. Ich war nicht sehr lange dort, weil die anderen Wiederlander bereits anfingen ihre Flugzeuge wieder zum Start zu ziehen. Wir nahmen es sportlich, fuhren zum Hänger und bauten innerhalb von zehn Minuten wieder auf. Kurz danach standen auch wir wieder in Startposition fünf am Start. Bis das Zeitfenster der Abfluglinie geschlossen wurde blieben nur noch wenige Minuten. Als wir zu einem erneuten Versuch starteten, meldeten sich bereits einige Piloten unserer Klasse bei 10km an. Wir standen also unter Zugzwang und starteten. Ich war fünf Minuten vor Abflugzeit-Ende im Ausklinkraum und machte einige Abflüge. Während wir uns dann zu fünft vortasteten war klar, dass es eine aussichtslose Mission war. Die Piloten, die noch Wasser in ihren Flugzeugen hatten stiegen im schwachen Steigen nicht und die restlichen kamen gegen den immer noch starken Wind kaum voran. Jan-Frederic Müller und ich setzten uns nach 13km gemeinsam auf ein Feld und aktualisierten ständig die Wertung. Es kam eine Wertung zustande und einer der Wiederstarter kam sogar noch an die 100km heran. Insgesamt war der Tag aus Punktesicht nicht sehr teuer, es gab lediglich 187 Gesamtpunkte und jeder Kilometer ohne Zeit entsprach ungefähr einem Punkt. In der Gesamtwertung kostete mich dieser Tag zwei Plätze.
Am nächsten Tag, zuversichtlich es könne ja nur besser werden, starteten wir zu einer AAT mit Strecken zwischen 113 und 283km. Brome und Doemitz waren mit jeweils einem 25km Sektor die Wendepunkte. Durchwachsenes Wetter war schon auf dem ersten Schenkel zu erkennen. Als ich mich jedoch auf der Höhe Salzwedel in 400m AGL wiederfand, hieß es ausgraben. Ich verbrachte fast eine viertel Stunde in 0,1 steigend auf 0,2. Als ich dann kurz von meiner Waldkante wegflog und wieder zurückkehrte fand ich einen starken 2,0-2,5m/s Bart wieder. Ab da war klar: Heimkommen ist heute wichtig, nichts riskieren. Genauso sah das JX, Thomas Unseld, der mit mir dann gemeinsam den Rückflug bestritt. Wir entschieden uns einen sehr hohen Endanflug zu machen. An diesem Tag saßen sehr viele Piloten nur einige Kilometer vor dem Platz, weil sie den Wind unterschätzt hatten. Ein achter Tagesplatz mit einem 72er Schnitt bedeutet in der Gesamtwertung wieder einen Platz besser.
Als wir am vierten und auch letzten Wertungstag ins Cockpit stiegen, war absehbar, dass es der letzte sein würde. Eine AAT mit 25km Sektoren um Nedlitz und Oehna war angesagt. Das erste Stück flog fast die gesamte Klasse gemeinsam die Elbe entlang. Nach dem dritten Bart trennten sich die Wege und ich fand mich in einem kleineren Grüppchen wieder, das ansetze ein bisschen seitlich in den Sektor hineinzufliegen anstatt wie die anderen ziemlich genau Kurs auf eine Schauerwand über Lüsse zuzuhalten. Nachdem wir den Sektor so weit wie für uns möglich ausgeflogen hatten versuchten wir die anderen einzuholen. Dies gelang uns auf Höhe Lüsse. Dazu muss man sagen, dass wir eine Gleitstrecke bis auf 400m runter kurz vor dem Schauer hatten und dort wieder mit 2,5m/s an die Basis kamen. Fast das gesamte Standardklassefeld flog gemeinsam in den Sektor. Als gewendet wurde, hatte sich die Optik massiv verschlechtert und die Schauerwand stand nun genau auf Kurs. Sehr eingeschränkt durch den Berliner Luftraum und das EDR Lehnin, ergaben sich nur wenige Möglichkeiten und wir fanden uns bei starkem Seitenwind am EDR-Rand wieder. Mit so vielen Flugzeugen an der Stelle zu kurbeln war ein schwieriges Unterfangen und es kam wie es kommen musste, vier Piloten beendeten ihren Flug an der Grenze der EDR – unter Anderem auch ich… Einen Kilometer weiter kamen wir dann noch einmal ein paar Meter höher. Danach ergab sich eine Lücke in der Schauerwand in Richtung Brandenburg. Wir flogen ab und versuchten unser Glück, denn nach Hause kommen wollte man ja trotzdem, auch wenn man sich sicher sein konnte, dass es wenig Punkte für einen selbest gab. Über Brandenburg hatte ich dann bereits mein Feld gewählt und sah aber JX noch über der Stadt einen Bart aufmachen. Mit meiner Resthöhe glitt ich dort hin und begann in 250 Metern den Bart zu zentrieren. Ehrlich gesagt, hatte ich den Flug mental schon auf dem Acker unter mir beendet als mein Variometer Ausschläge bis zu 3m/s anzeigte. Oben an der Basis angekommen, hatte ich mich in meiner Situation zurecht gefunden. Eine Wolkenstraße und ein paar Kreise brachten uns sicher an den Flugplatz. Als mein Rechner beim Erreichen des Zielkreises zu einem 82er Schnitt gratulierte konnte ich mich nicht wirklich freuen. Ein 18. Tagesplatz mit Flugbeendung nach 150km und nur 344 Punkten waren für mich an diesem Tag mehr als nicht zufriedenstellend. Ich bin seit diesem Tag eine Erfahrung reicher.

Fazit

Insgesamt muss ich sagen, dass ich mich trotz des durchwachsenen Wetters sehr wohl gefühlt habe. Einerseits war die Organisation des Wettbewerbs sehr gut, anderseits war mein Team, welches vor Ort nur aus meinem Rückhohler Frederic Lenz bestand, immer da, wenn ich Hilfe brauchte. Ich habe nette Menschen kennengelernt, mir ein bis dato teilweise unbekanntes Gebiet erflogen und mich von meiner sportlichen Leistung überzeugen können. Ein insgesamt sechzehnter Platz ware zwar nicht mein Ziel, dennoch war es die Reise wert!
Einen Dank geht an erster Stelle an den Segelflug Förderverein Baden-Württemberg für ein unglaublich leistungsstarkes Flugzeug. An Jochen Ossmann, der mir geholfen hat die letzten Prozent aus dem Flugzeug zu holen. An meinen persönlichen Trainer und Vater Bernd, der während des Wettbewerbs immer ein offenes Ohr hatte und mir sicherlich den ganzen Tag die Daumen gedrückt hat. An meinen Rückholer Freddy, das Wettbewerbsteam, meinen Verein, der mir jegliche Trainingsmöglichkeit bietet und an alle anderen die Daumen gedrückt haben. Danke!